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Cool bleiben: Heiße Tage gut überstehen

Neben viel Sonne bringt die warme Jahreszeit auch immer öfter neue Hitzerekorde. Nicht jeder verträgt die hohen Temperaturen problemlos. So kommen Sie trotz Hitzewellen gut durch den Sommer

von Christian Krumm, 09.08.2019
Häuserfassade

Hilfreiche Fensterläden: Für eine kühle Wohnung morgens und abends lüften, und tagsüber die Räume verdunkeln


Das macht Hitze erträglicher

  • Leichte, weite und atmungsaktive Kleidung – sofern es die Vorschriften im Job erlauben
  • Greifen Sie lieber zu Salaten, leichten Fisch- und Gemüsegerichten statt zu schweren Mahlzeiten.
  • Kaltes Wasser über das Handgelenk laufen lassen. Das wirkt erfrischend und wohltuend.
  • Elektrogeräte sind Wärmequellen. Schalten Sie gerade nicht benötigte Geräte ab.
  • Lüften Sie die Wohnung nur in den Morgen- und Abendstunden. Verdunkeln Sie alle Räume tagsüber mit Jalousien oder Rollos, und schließen Sie in der heißesten Zeit die Fenster, damit die warme Luft nicht in die Wohnung vordringt.

Das kann ja heiter werden! Nach den heißen Sommern 2018 und 2019 könnten auch die kommenden Jahre ausgesprochen warmes Wetter bringen. Wissenschaftler rechnen damit, dass sich künftig ­längere Hitzeperioden mit kürzeren Kaltphasen abwechseln werden.

"Aufgrund des Klimawandels gilt der Trend aber nicht nur für die nächsten Jahre, sondern für die nächsten Generationen", verdeutlicht Professor Andreas Matzarakis, Medizin­­meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg.

Sich dem Wetter anpassen

Manch einer mag jetzt jubeln: Endlich ein warmer Sommer nach dem anderen! Doch was des einen Freud ist, kann des anderen Leid sein: Nicht alle vertragen die Hitze gleich gut. Während jüngeren und gesunden Menschen die Anpassung meist gut gelingt, kann die extreme Wärme vor allem für ältere und kranke Menschen zur Belastung werden.

Das gilt ganz besonders dann, wenn sich mehrere heiße, windstille Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit aneinanderreihen und auch die Nächte keine nennenswerte Abkühlung bringen. Besonders in Städten kommt es zu sogenannten Tropennächten, da die vielen Gebäude die Strahlung tagsüber mehr absorbieren und so die Wärme speichern. Dass heiße Tage aber auch für gesunde Menschen problematisch sein können, zeigen die Statistiken des ADAC. Demnach steigen an warmen Tagen die konzentrationsbedingten Unfallzahlen auf den Straßen deutlich an.

Viele Deutsche empfinden warme Sommer aber in erster Linie als ­Segen. Sie genießen erfrischende Freibadbesuche, laue Grillabende, zünftige Biergartenausflüge und viele andere Aktivitäten im Freien. Und genussvoll kann es auch bleiben, wenn einige einfache Regeln und Tipps zum Umgang mit Hitze und Sonne beachtet werden.

Für ausreichend Flüssigkeit sorgen

An heißen Tagen benötigt der Körper mehr Flüssigkeit, da er mehr schwitzt. Hören Sie auf Ihr Durstgefühl, und behalten Sie Familienangehörige im Blick. Kinder achten beim Spielen oft nicht auf ihren Durst. Nur bei manchen Erkrankungen wie einer schweren Nieren- oder Herzschwäche muss die Trinkmenge in Abstimmung mit dem Arzt eingeschränkt werden.

Tückisch: "Mit zunehmendem Alter reduziert sich zumeist das Durstgefühl, sodass es schneller zu Flüssigkeitsmangel kommt", erklärt Professor Ulrich Hink, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Frankfurt-Hoechst.

Ideal sind Mineralwässer, Saftschorlen und lauwarme Kräutertees. "Für Leute, die intensiv Sport treiben, eignen sich auch isotonische Getränke oder Wasser mit Mineralstoffzusätzen", sagt Professor Hans-Georg Predel, Sportmediziner an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Lieber nicht zu eisgekühlten Getränken greifen. Sie geben dem Körper das Signal, die Wärmeproduktion anzukurbeln.

Auch wer mit dem Flieger verreist, benötigt aufgrund der trockenen ­­Kabinenluft mehr Flüssigkeit. Gefäßexperte Dr. Horst Peter Steffen aus Hilden empfiehlt einen zusätzlichen Liter pro zwei Stunden Flug. Tipp: Besorgen Sie sich am Flughafen nach der Sicherheitskontrolle eine große Flasche Wasser.

Selbstgemachte Klimaanglage

Stellen Sie eine Schale mit Eiswürfeln vor einen handelsüblichen Tischventilator. Die Eiswürfel kühlen den Luftstrom, der somit auch die Raumtemperatur senken kann. Auch wenn die Methode nicht an die Effizienz einer Klimaanlage herankommt, so kann sie doch die Hitze zwischendurch etwas lindern.

Leidige Hitzewellen

Fast jeder zweite Deutsche (45 %) gab im Rahmen einer Umfrage der Krankenkasse DAK unter 1002 Bundesbürgern während der letztjährigen Hitzewelle an, dass es ihm im Vergleich zu nor­malen Sommertagen gesundheitlich schlechter gehe. Bei den Frauen war es sogar mehr als jede Zweite.

Die Bayern zeigten sich dagegen hitze­verträglicher: Im Freistaat litt nur etwa jeder Dritte (32 %) unter den hohen Temperaturen, zwölf Prozent der Bayern ging es an heißen Tagen angeblich sogar besser.

124 Eiskugeln

Etwa 8,7 Liter Eis verzehrte nach Angaben des Bundesverbands Deutscher
Süßwarenindustrie (BDSI) jeder Deutsche im vergangenen Jahr. Das entspricht rund 124 Kugeln. Im Vorjahr waren es noch elf Kugeln weniger pro Person. Ob Schoko oder Vanille: Ein Eis ­ab und zu gehört einfach zum Sommer dazu.

Kühle Schlafräume für mehr Konzentration

Wie sich eine hohe Temperatur bei der Nachtruhe auf die ­Konzentration am Tag auswirkt, zeigten amerikanische Forscher anhand einer Studie mit 44 Studenten aus dem Großraum Boston/Massachusetts (USA).

24 der jungen Leute übernachteten während einer fünftägigen Hitzewelle in einem nicht klimatisierten Wohnheim. Sie benötigten für kleine Testaufgaben, die sie ­­jeden Morgen absolvieren mussten, deutlich länger als ihre Mitstudenten, die in kühleren Räumen schliefen.

Für einen guten Schlaf ist eine Raumtemperatur von 18 Grad ideal. Auch eine lauwarme Dusche vor dem Schlafengehen kann helfen. Tragen Sie weite und leichte Schlafbekleidung – am besten aus Seide oder Leinen – und verwenden Sie eine dünne Decke. Mit zu dünner Nachtwäsche und bei Zugluft droht dem Körper allerdings Auskühlung, weil er nachts seine Kerntemperatur nicht so gut regulieren kann.

Hitzefalle Auto!

Innerhalb weniger Minuten kann der Innenraum eines geparkten Autos schwindelerregende Temperaturen erreichen. Auch für kurze Zeit dürfen daher weder Tiere, Kinder, ältere oder pflegebedürftige Menschen im Auto allein zurückgelassen werden.

Innenraumtemperatur im Auto

So bekommen Sie das Auto schnell kühl: Vor dem ­Einsteigen Fenster und Türen für einige Minuten öffnen. ­Klimaanlage auf die kälteste Stufe und Gebläse auf Umluft­betrieb stellen. Nach einigen Minuten Fenster schließen, Klimaanlage auf Frischluftzufuhr stellen und Temperatur auf den Wohlfühlwert korrigieren. Bei der Parkplatzsuche den Lauf der Sonne bedenken: Ein Schattenparkplatz kann schon nach wenigen Minuten in der prallen Sonne liegen.

Sommer-Sport

Die warme Jahreszeit lädt zu sportlichen Aktivitäten geradezu ein. "Zwar ist unsere körpereigene Klimaanlage ein ganz ausgeklügeltes System, doch sie verschlingt auch sehr viel Energie. Und diese Energie müssen Herz und Energiestoffwechsel wiederum aufbringen", sagt der Kölner Sportmediziner Predel. Das dürfe man keineswegs unterschätzen.

Deshalb: Sportliche Aktivitäten daher an heißen Tagen besser auf frühe Morgenstunden oder den Vormittag verlegen. Nachmittags sind die Temperaturen und die Ozonbelastungen am höchsten. Wer am späteren Abend noch Kalorien verbrennen will, sollte das in moderater Form oder mindestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen tun. Ein zu intensives Training könnte sonst den Schlaf rauben.

Hitzefrei statt Hitzejob?

Schön wäre es, wenn Arbeitnehmer Anspruch auf "hitzefrei" hätten. Fakt ist: Bei Bürotemperaturen von über 26 Grad Celsius "sollte" der Arbeitgeber Maßnahmen einleiten, um den Angestellten die Arbeitszeit erträglich zu machen. Das kann die Bereit­stellung von Ventilatoren, Klima­geräten oder kühleren Arbeits­räumen sein.

Laut Arbeitsstättenverordnung muss der Chef bei einer Raumtemperatur von über 30 Grad umgehend handeln.

Tipps für gesunde Venen

Weil der Körper aufgrund der Hitze das Blut auch in die oberflächlichen Venen transportiert, häufen sich die Venenprobleme. Die Beine werden dick und schwer, die Haut juckt, und Krampfadern bereiten Beschwerden. Dr. Horst Peter Steffen, Chefarzt der Klinik im Park in Hilden, rät zu venentonisierenden Maßnahmen:

  • Duschen Sie Ihre Beine morgens kalt ab. "Solche kalten Güsse können mehrere Stunden lang ausgleichend auf die Venen wirken", so Experte Steffen.
  • Treiben Sie Wassersport. Der Wasserdruck in großen Becken tut gut und kann wie eine Lymphdrainage wirken.
  • Venenpatienten profitieren von Kompressionsstrümpfen – auch im Sommer. Pflanzliche Venenmittel aus der Apotheke können die Symptome ebenfalls lindern.
  • Zwischendurch die Körperposition wechseln, langes Stehen und Sitzen meiden. Oft helfen kleine Übungen für Knöchel, Sprung- und Kniegelenke.

UV-Index

In den Sommermonaten ist der UV-Index Bestandteil des Wetterberichts. Damit beschreibt der Wetterdienst die regionale Intensität der Sonneneinstrahlung. Sie ändert sich täglich je nach Wetterlage, Sonnenstand und Wolkendecke. Die Angaben zum UV-Index ermöglichen es den Bürgern, aber auch Alten- und Pflegeheimen, sich auf hohe UV-Strahlungen einzustellen.

Infografik UV Index

Arzneimittel kühl lagern

Medikamente vertragen sich nicht immer mit hohen Temperaturen. "Manche Präparate verlieren dann ihre Wirksamkeit oder werden sogar schlechter verträglich", sagt Apotheker Thomas Luft aus Edingen-Neckarhausen. Er erklärt, welche Arzneimittel ...

... sich verändern

Zäpfchen können aufweichen, Salben und Cremes mit Emulgatoren sich in eine wässrige und eine ölige Phase aufspalten. Arzneipflaster verändern ihre Struktur und können zu viel ­Wirkstoff auf einmal abgeben. Auch Insulin und Blutzuckermessstreifen sind hitzeempfindlich. Geeignete Kühltaschen zum Transport bekommen Sie in der Apotheke.

... Düsen verkleben

Wärme und Luftfeuchtigkeit können die Wirkstoffe in Sprüh­vorrichtungen verkleben, beispielsweise in Asthmasprays. Sie geben dann nicht mehr die richtige Dosis ab.

... den Kreislauf beeinträchtigen

Patienten, die Blutdrucksenker einnehmen, laufen Gefahr, dass die Werte an heißen Tagen zu tief sinken. Möglicherweise muss in manchen Fällen nach Rücksprache mit dem Arzt die ­Dosierung vorübergehend etwas reduziert werden.

... lichtempfindlich machen

Manche Arzneimittel können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Sonnenbrände können deutlich früher auftreten. Sonnenschutzpräparate mit hohem Lichtschutzfaktor 50+ sind dann besonders wichtig. Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker, ob ihr Medikament die Lichtempfindlichkeit erhöht.

Notfall erkennen

 

Sonnenstich

Sonnenstrahlung auf den Kopf reizt die Hirnhäute.

Symptome: Kopfschmerzen oder Übelkeit.

  • Schatten aufsuchen, abkühlen, Wasser trinken. Bei ausgeprägten Symptomen den Notarzt rufen.

Hitzeerschöpfung

Der Körper überhitzt zunehmend.

Symptome: etwa Schwindel, Durst, Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Reizbarkeit.

  • Raus aus der Sonne, ausruhen, viel trinken, kühlen. Bei schweren Symptomen oder wenn nicht innerhalb von 20 Minuten deutliche Besserung eintritt: Notarzt rufen (112)! Bei Kindern, älteren sowie gesundheitlich vorbelasteten Personen in solchen Fällen immer den Arzt rufen.

Hitzschlag

Starke Überhitzung mit Lebensgefahr, vor allem bei älteren und chronisch kranken Menschen. Tritt dann oft zeitverzögert auf.

Symptome: etwa Verwirrtheit, Krämpfe, Bewusstlosigkeit.

  • Notarzt rufen (112)!
  • Schatten! Beine hochlagern, Patient aktiv kühlen. Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage.